Der Bau einer Gespliessten besteht aus vielen einzelnen Arbeitsschritten und der komplette Prozess dauert ca. zwischen 50 und 60 Stunden...                                                        An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Einblick auf dieses faszinierende Kunstwerk geben.

Begonnen wird mit dem Auswählen eines geeigneten Tonkinrohres. Wenn es ausgiebig begutachtet und geprüft ist, wird es auf Länge für Spitzen- und Handteil der gewünschten Gerte gesägt. Anschließend werden die einzelnen Spleisse aus dem Rohr gespalten und für den nächsten Arbeitsgang vorbereitet.

Die einzelnen Spleisse werden nun unter Wärme und Druckbehandlung begradigt und die Blattknoten weggedrückt. Bei diesem, meiner Meinung nach einem der bedeutendsten Arbeitschritte, ist größte Sorgfalt angebracht. Je gerader der Faserverlauf der Spleisse, umso weniger Kraftfasern werden beim Hobeln unterbrochen.

Wenn alle Spleisse sauber gerichtet sind, ist es an der Zeit, sie in die Form eines gleichschenkligen Dreiecks zu bringen. Für diesen Arbeitsschritt kommt eine von mir selbst gebaute Fräsmaschine mit einem 60°-Fräskopf zum Einsatz. Wohlgemerkt ist das die einzige Maschine, die ich für den Bau eines Blanks verwende, der Rest meiner Gespliessten ist reine Handarbeit. Wenn alle 12 Spleisse (bei einer 2-teiligen Gerte) in die Form eines Dreiecks gebracht sind, werden sie zum ersten Mal zusammengesetzt und gebunden (6 für die Spitze und 6 für das Handteil). Fertig "gewickelt" wandern sie zum Trocknen in den "Rutenbauer-Ofen". Hier wird dem Tonkin die Feuchtigkeit entzogen und je nach Temperaturzugabe und "Backzeit" die gewünschte Aktion der fertigen Rute vorgegeben.

Als nächstes ist es an der Zeit, die einzelnen Spleisse auf ihr endgültiges Mass mit Hilfe von Einhandhobel und präzisen Hobelformen zu bringen. Hier kommt nun auch das entscheidende Werkzeug eines Gespliessten-Bauers zum Einsatz: Die Hobelform; mit ihren an allen 5-inch angebrachten Zug- und Druckschrauben wird das ausgewählte Taper der Gerte mit Hilfe einer Tiefenmessuhr und 60°-Spitze eingestellt. Fertig eingestellt und zweimal überprüft wird die Aussenhaut abgezogen und begonnen den ersten Spleiss zu hobeln. Es werden stets die Innenseiten der Spleisse gleichmäßig und abwechselnd gehobelt. Wenn der Hobel nichts mehr abnimmt, hat man die Oberfläche der Form und somit das eingestellte Taper-Mass erreicht. Diesen Vorgang wiederholt man jetzt bei allen Spleissen.

Nun kann man die sechs dünnen Spleisse für die Spitze und die sechs stärkeren für das Handteil in der Reihenfolge wie man sie zu Beginn aus dem Rohr gespaltet hat, mit 2-Komponenten-Epoxyd-Kleber und Hilfe einer Wickelmaschine zusammenfügen. Am besten eignet sich eine Kreuzwicklung um gleich-mäßigen Druck auf die Spleisse bzw. den Blank auszuüben.                                                                  Ein wenig Temperaturzugabe im Ofen beschleunigt die Aushärtezeit des Klebers.

Fertig ausgehärtet wird als nächstes der Bindefaden und die überschüssigen Reste des Klebers entfernt.                                                                                                                                                   Nun sollte ein wunderschöner sechseckiger Blank vor einem liegen. Wenn nötig werden jetzt letzte Krümmungen wieder unter Hitzeeinwirkung entfernt, bevor er zum Schluß mit feiner Stahlwolle hochpoliert wird.                                                                                                                                      Da es bei mir nach diesem Arbeitsgang meistens sehr spät ist, lass ich den erfolgreichen Abend noch bei ein oder zwei Gläsern gutem Wein ausklingen...

Spätestens ab jetzt sollte das Herz eines jeden Gespliessten-Bauers höher schlagen - die meiste Arbeit und Mühe ist vollbracht und man beginnt sein Schmuckstück mit Ringen, Hülsen, Kork und Rollenhalter zu versehen.

Alles angebracht bekommt die Gespliesste ihr finales finish - die Tauchlackierung.                                 In einem beheizbaren Lackierrohr wird nun jedes Rutenteil zwischen 3 und 5 Mal tauchlackiert. Mit dieser Methode bekommt man exzellente Übergänge zwischen Blank und Ringwicklungen, ebenso bildet der Lack ein streifenfreies Gesamtbild auf der Gerte, was man mit einem Pinsel nie hinbekäme.

Fertig ausgetrocknet ist es an der Zeit, die Schönheit aller Fliegenruten zum ersten Mal Tageslicht und das Element Wasser erblicken zu lassen...

Friedrich Scholl